Das Zweiklassensystem

Die kanadische Einwanderungspolitik wird für ihre Fortschrittlichkeit gelobt. Dabei nützt sie vor allem denjenigen, die gut ausgebildet sind. LOU ZUCKER FÜR DIE TAZ.

 

Gabriel Allahdua
© Lou Zucker

TORONTO taz | Gabriel Allahdua steigt auf eine Gemüsekiste aus rotem Plastik und bittet um Aufmerksamkeit. Lächelnd blinzelt der 45-Jährige in die grelle Sonne, die gerade erst beginnt, die beißend kalte Luft eines kanadischen Herbstmorgens in Toronto aufzutauen. Es ist 10 Uhr. Vor Allahdua marschieren etwa 50 Menschen im Kreis, seit fast zwei Stunden. Sie sind mit Unmengen an bunten Schildern bestückt, einige davon in Form riesiger Tomaten und Paprika und sie skandieren unermüdlich: „Status für Gastarbeiter!“ Nur ab und zu halten sie an, um einen Lastwagen durchzulassen, der von der mehrspurigen Straße durch das Gittertor des Gemüsegroßhandels fährt, vor dem sie demonstrieren.

Allahduas ruhige, volle Stimme mit dem weichen karibischen Dialekt ist herzlich, als er die Aktivist*innen begrüßt und sie zur Ruhe bittet. Doch schnell wird sie laut und energisch: „Seit 50 Jahren ernten wir hier das Obst und Gemüse. Doch wir haben keinen Status, wir haben keine Rechte“, ruft er. „Die kanadische Einwanderungspolitik liefert uns der Willkür unserer Arbeitgeber aus. Ich bin ein moderner Sklave in Kanada!“

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